„Ein Bürger ist nicht, wer bloß in der Gesellschaft lebt, ein Bürger ist, wer sie ändert.” Augusto Boal

Sandra Schenck (NEUES FORUM)

Sandra Schenck

Fünf Fragen an: Sandra Schenck

Sandra Schenck
NEUES FORUM
Wahlkreis 1
Listenplatz 1

Beruf: Psychologin
Jahrgang: 1989

1. Wenn Sie gewählt werden: Was wird Ihr erstes Vorhaben sein?  

Mein erstes Vorhaben wäre es, die Stadtverwaltung endlich dazu zu bewegen, nach monatelangem Hinauszögern den Widerspruch des April-Netzwerks zum Bürgerentscheid "Privatisierungsbremse" zu bearbeiten, damit das Rechtsverfahren beginnen kann. 26.000 Leipzigerinnen und Leipziger hatten im vergangenen Jahr einem Bürgerbegehren zur Durchführung eines Bürgerentscheids zugestimmt, welcher besagt, dass städtisches Eigentum in Zukunft nur bei einer 2/3-Mehrheit im Stadtrat veräußert werden darf. Der Leipziger Stadtrat hatte im Januar hingegen mit deutlicher Mehrheit die Durchführung des Entscheids aufgrund rechtlicher Bedenken abgelehnt. Ich halte dieses Vorgehen für bewusstes Ignorieren der Interessen der Bürger*innen, um gemeinsam mit der Stadtverwaltung weiterhin kommunale Betriebe und Wohnungen zu Niedrigpreisen zu verschleudern, damit ein sanierter Haushalt vorzuweisen ist.

2. Warum sind Sie gern in der Politik?  

Ich beschäftige mich gern mit größeren gesellschaftlichen Zusammenhängen, da ich an der Gesellschaft, wie sie aktuell organisiert ist, viele Widersprüche bemerke. Natürlich kann ich in diesem Rahmen keine umfassende Kritik an unserem Wirtschaftssystem ausführen, allerdings wird vielen bereits klar sein, dass unser auf Wachstum und angeblich steigenden Wohlstand ausgerichtetes System nicht mehr lange stabil sein kann. Die Finanzkrise 2008 war nur ein Faktor, die alarmierenden Zahlen des ICCP Klimaberichts im letzten Jahr finde ich sogar noch dramatischer. Bezeichnend sind auch die schrumpfenden Einkommen für die Masse der Bevölkerung während eine immer kleiner werdende Elite immer mehr Vermögen anhäuft.

Nachdem ich jahrelang Parteimitglied bei Bündnis 90/Die Grünen war, aber nicht erkennen konnte, dass sich durch das Agieren der Politikerinnen und Politiker dort etwas wahrnehmbar verbessert, im Gegenteil, bin ich Anfang des Jahres ausgetreten und wollte gerne für ein parteiunabhängiges Bündnis antreten. Da ein größerer Verband unter dem Label "Bündnis Leipzig" nicht zustande gekommen ist, trete ich nun für das Neue Forum an, welches seit der Wendezeit in der Tradition der Bürgerrechtsbewegungen steht. Ich bin gerne in der Kommunalpolitik tätig, da dies die einzige Möglichkeit ist eine Demokratie "von unten" zu organisieren. In allen anderen Parlamenten gibt es leider eine große Diskrepanz zwischen dem Willen des Volkes und dem der Parlamentarier.

3. Bei welchem Thema in Leipzig sehen Sie den größten Handlungsbedarf?

Da gäbe es mehrere Themen, aber sie sind gekennzeichnet durch ein Wort: Mangel. Es mangelt in Leipzig an Kitaplätzen, zunehmend an günstigem Wohnraum und einem funktionierenden und gut ausgebauten Personennahverkehr. Stattdessen werden prestigehafte Großprojekte à la Citytunnel, Freiheits- und Einheitsdenkmal und Lindenauer Hafen umgesetzt. Diese Widersprüchlichkeit ist für mich das Schlimmste, denn Politik sollte in erster Linie für die Daseinsvor- und Fürsorge für benachteiligte Bürgerinnen und Bürger eintreten. Was stattdessen gemacht wird, ist unter dem Deckmantel der sächsischen Schuldenbremse kommunales Eigentum weiter zu privatisieren und den Kommunen jeglichen Handlungsspielraum zu nehmen.

4. Was sollte erreicht sein, damit Sie am Ende Ihrer Amtszeit von einem Erfolg sprechen können? 

Ich finde diese Frage wirklich schwer zu beantworten, denn ich habe keine großen Illusionen darüber, was man in einem Parlament erreichen kann. Mittlerweile ist durch die Landesgesetzgebung der Spielraum für Kommunalpolitiker leider recht eingeschränkt.
Wenn es während der Amtszeit mehrere Bürgerentscheide gäbe, wäre das für mich schon ein Erfolg, denn ich finde, dass man über Bürgerbeteiligung nicht theoretisch reden sollte, denn sie könnte direkt umgesetzt werden.

5. Warum sollten wir wählen gehen?

Die Wahlbeteiligung ist auf kommunaler Ebene leider viel zu gering und es wäre schön, wenn sich die Abkehr der Menschen von der Politik langsam wandelt. Denn nur wenn man sich informiert, einmischt und zusammenschließt, kann man etwas an den bestehenden Machtverhältnissen ändern. Zu kritisieren gibt es genug an den Parlamenten, aber ohne sich selbst einzubringen, wird diese Kritik nicht gehört werden. Die großen Parteien wie CDU und SPD profitieren nur davon und können weiter ungestört die Interessen der Wirtschaft durchsetzen. Gerade kommunal kann man sich sehr genau anschauen, wer kandidiert und dementsprechend Menschen wählen, die ohne eine große Fraktion im Bundestag vor Ort aktiv werden wollen oder es bereits sind.

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