„Ein Bürger ist nicht, wer bloß in der Gesellschaft lebt, ein Bürger ist, wer sie ändert.” Augusto Boal

Lutz Unbekannt (GRÜNE)

Lutz Unbekannt

Fünf Fragen an: Lutz Unbekannt

Lutz Unbekannt
Bündnis 90/DIE GRÜNEN
Wahlkreis 8
Listenplatz 3

Beruf: Diplomingenieur Elektrotechnik
Jahrgang: 1956

1. Wenn Sie gewählt werden: Was wird Ihr erstes Vorhaben sein? 

Die erste zentrale Aufgabe wird die Beschäftigung mit dem Stadthaushalt und den dbzgl. aktuellen vorhandenen Spielräumen sein. 

Für ganz wichtig halte ich die weitere Unterstützung der kommunalen und nicht kommunalen offenen Freizeit-Treffs (OFT's) und andere Jugendclubs inklusive der SozialarbeiterInnen durch die Stadt. Hier stehen Kürzungen im Raum. Mit den SozialarbeiterInnen und anderen MitarbeiterInnen wird zusammen mit den Jugendlichen eine äußerst wichtige und nicht zu unterschätzende Arbeit geleistet. Die Jugendlichen werden hier nach der Schule bis zum Abend sinnvoll betreut. Sie erhalten Unterstützung bei der Anfertigung der Hausaufgaben, können dort bestimmten Hobbies nachgehen und die vielfältigen praktischen Angebote wahrnehmen. Bei Bedarf erfahren sie dort auch soziale und sozial-psychologische Betreuung, um ihr tägliches Leben meistern zu können. Alle von mir besuchten Einrichtungen erfuhren einen überaus regen Besuch durch die Jugendlichen. Sie sind für sie oftmals wie ein zweites Zuhause! Dort, in funktionierenden Einrichtungen, Mittel zu kürzen, wird uns allen sehr teuer zu stehen kommen! 

2. Warum sind Sie gern in der Politik?

Seit 25 Jahren setze ich mich in den unterschiedlichsten gemeinnützigen Einrichtungen und Vereinen dafür ein, Menschen zu helfen, sie zu verschiedenen Themen zu beraten oder weiterzubilden, mich im Umweltschutz zu engagieren oder auch Baudenkmäler zu erhalten. Kurz gesagt, ich möchte den Menschen helfen ihnen das Leben ein Stück lebenswerter zu machen. Dafür ist nach meinem Verständnis insbesondere auch die Politik zuständig. 

Die gewählten Volksvertreter erhalten von ihren WählerInnen den Auftrag, sich um deren Wohl zu kümmern, das in verbindlichen Beschlüssen und Gesetzen festzuhalten und diese umzusetzen. Zu dieser Lebensqualität gehören nicht nur geeignete Arbeitsplätze, sondern auch Lebens- und Umweltbedingungen in Leipzig, die das Leben bei langer Gesundheit angenehmer machen. Am schwersten haben es Kinder, Kranke und ältere Menschen. Diese Menschen brauchen eine Lobby! Ich möchte den Menschen zuhören und mich für die Lösung Ihrer Probleme einsetzen. Da haben wir in Leipzig noch viel zu tun, auch viel zu korrigieren. Deshalb kandidiere ich für den Stadtrat und für den Ortschaftsrat im Ortsteil Lindenthal.

3. Bei welchem Thema in Leipzig sehen Sie den größten Handlungsbedarf? 

Leipzig hat sicher eine Reihe von Aufgaben parallel zu lösen. Da ist es für mich als politischer (Quer-)Einsteiger heute schwer eine Rangordnung aufzustellen. Ich denke dabei an Rahmenbedingungen für die Sicherung und die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen mit möglichst hoher Wertschöpfung, die ohne soziale Unterstützung auskommen. Ich sehe die Probleme und die Förderung der Ausbildung unserer Jugendlichen in den Schulen und darüber hinaus, um einen qualifizierten beruflichen Nachwuchs für unsere Stadt und den Jugendlichen ein eigenes Auskommen nach ihrer Berufsausbildung in Leipzig zu sichern. 

Ich sehe die Straßen und Brücken, die dringend repariert und saniert werden müssen, auch damit der Verkehr ruhiger rollen kann. Ich sehe die vielen Fuß- und Radwege, über die scheinbar niemand spricht, die aber dringend instand gesetzt werden müssen, damit sie teilweise überhaupt wieder benutzbar sind für Menschen, die darauf angewiesen sind, wie z.B. Mütter mit ihren Kindern und ältere Menschen. 

Ich höre den Verkehrslärm, egal ob von der Straße, Schiene oder aus der Luft, der viele Menschen nachweislich krank macht. Gerade hier sind es manchmal schon einfache Maßnahmen, die zur Lösung des Problems führen können, z.B. die Einhaltung der vorgeschriebenen Geschwindigkeiten auf den Straßen, der Planfeststellungsbeschlüsse oder die Gerichtsurteile zum Flughafenbetrieb.  

Offenbar setzt sich das Recht auch in der Demokratie nicht von allein durch, sondern bedarf der Nachhilfe engagierter Bürger.

4. Was sollte erreicht sein, damit Sie am Ende Ihrer Amtszeit von einem Erfolg sprechen können?

Ich würde mich freuen, wenn 2019 die meisten der nachfolgenden 10 Punkte erreicht wären:

  • Die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in Leipzig zugenommen hat und die Arbeitslosenquote niedriger als heute ist.
  • Das Bürgerinteresse in dieser Stadt wieder ernster genommen wird, die kommunale Politik mehr mit den Bürgern spricht und auf sie hört, verbindliche Bürgerentscheide akzeptiert und sie umsetzt.
  • Die Interessen von Familien, Kindern u.a. bedürftigen Bürgern in dieser Stadt mehr die Politik in dieser Stadt bestimmt als heute, mehr noch der Maßstab von Politik geworden ist.
  • Das Ausbildungsniveau unserer Schulabgänger und Auszubildenden gestiegen ist und sich die Anzahl der offenen Freizeit-Treffs und ihre finanzielle Ausstattung nicht verringert hat.
  • Das kulturelle Angebot weiter so vielseitig, vorzeigbar, anziehend und finanzierbar für unsere Bürger ist.
  • Das Gemeinwesen, die Vereins- und andere Ehrenamtsarbeit gesellschaftlich hoch bewertet und von der Stadt unterstützt weiter auf so hohem Niveau funktionieren kann.
  • Straßen, Brücken, Fuß- und Radwege in einem besseren Zustand als heute sind, dadurch auch mehr Rad gefahren wird und die Radfahrer mehr Rücksicht auf die Fußgänger nehmen.
  • Krankmachender Lärm und Staub in der Stadt deutlich und dauerhaft minimiert werden konnte.
  • Nicht weniger intakte Grünflächen zur Erholung der Leipziger als heute vorhanden sind.
  • Trinkwasserpreise nicht wesentlich angestiegen und damit weiterhin für jeden bezahlbar sind.
  • Bezahlbare saubere, umweltverträgliche Energien für Wohnen und Nahverkehrsmittel noch mehr unser Leben beeinflussen als heute und auch der Individualverkehr in Leipzig emissionsärmer in Bezug auf Abgase und Lärm geworden ist.

5. Warum sollten wir wählen gehen?

Im Herbst 1989 gehörte ich mit zu den Hunderttausenden von Bürgern, die um den Leipziger Innenstadtring zogen und auch für demokratische Wahlen demonstrierten, nachdem wir gemeinsam den DDR-Wahlbetrug zu den Kommunalwahlen im Mai 1989 offenkundig gemacht hatten. 

Heute haben wir dieses Wahlrecht, weil wir es uns erkämpft haben! Das sollten wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen, denn gerade die deutsche Geschichte lehrt uns, wie schnell demokratische Rechte über Generationen hinweg verloren gehen können und wie schwer es ist, sie wieder zu erringen. 

Demokratische Rechte haben nur einen Wert, wenn sie auch praktisch ausgeübt werden. Unsere Volksvertreter, also auch unsere Stadträte, demokratisch wählen zu können, dieses Recht sollten wir nie wieder aus der Hand geben, denn dabei können wir nur verlieren. Dazu gehört auch, dass wir nach der Wahl  unsere Volksvertreter fortlaufend an ihre Wahlversprechen erinnern, falls es notwendig ist. Sie sind dem Volk rechenschaftspflichtig, weil sie vom Volk mit Steuermitteln bezahlt werden! 

Selbst Johann Wolfgang von Goethe zieht schon vor ca. 200 Jahren dieses Resümee am Ende des "Faust Teil II": "Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss."

© 2004 – 2019 leipzigwaehlt.de