„Ein Bürger ist nicht, wer bloß in der Gesellschaft lebt, ein Bürger ist, wer sie ändert.” Augusto Boal

Jürgen Kasek (GRÜNE)

Jürgen Kasek

Fünf Fragen an: Jürgen Kasek

Jürgen Kasek
Bündnis 90/DIE GRÜNEN
Wahlkreis 6
Listenplatz 1

Beruf: Rechtsanwalt
Jahrgang: 1980

1. Wenn Sie gewählt werden: Was wird Ihr erstes Vorhaben sein? 

Mein Grundanliegen ist die Umweltpolitik in Leipzig. Hier sehe ich erheblichen Nachholebedarf, da essentielle Themen wie Klima- und Umweltschutz in Leipzig keinen großen Stellenwert haben. Also werde ich dafür kämpfen, dass die Umweltverbände ausreichend unterstützt werden und die aufgestellten Aktionspläne zur Lärmbekämpfung und Luftreinhaltung konsequent umgesetzt werden. Außerdem werde ich für eine Stadt für alle kämpfen, gegen den Normierungsdruck. Bedeutet Ende der Kameraüberwachung, keine Alkoholverbotszonen, stattdessen Jugendsozialarbeit und Pilotprojekte im Bereich Drogenfreigabe.  

2. Warum sind Sie gern in der Politik?

Weil es so wie es geht, eben nicht mehr geht. Ich kann nicht nur erkennen, was nicht funktioniert oder wo es Probleme gibt es ist auch die Aufgabe jedes einzelnen an diesen Problemen zu arbeiten. Institutionalisierte Politik ist dabei eine Möglichkeit, aber nicht die einzige, es gibt auch zahlreiche NGOs in denen mensch sich engagieren kann. Politik gibt mir dabei eine Möglichkeit gesellschaftliche Verhältnisse und Schieflagen offensiv in Frage zu stellen und an der Lösung mitzuarbeiten.

3. Bei welchem Thema in Leipzig sehen Sie den größten Handlungsbedarf?

Aus meiner Sicht muss es darum gehen, eine Stadt für alle zu erhalten. Bedeutet, dass wir Freiräume erhalten müssen um Raum für Kreativität und Engagement jenseits fester Strukturen zu lassen und so auch Unternehmensgründer in der Kultur- und Kreativwirtschaft bessere Chancen geben. Dazu müssen wir dem Prozess der sozialräumlichen Segreggation entgegenwirken und verhindern, dass die Stadt sich immer weiter in Arm und Reich aufteilt. Die soziale Durchmischung der Stadt muss gewährleistet bleiben, bei zunehmend steigenden Mieten ist hier eine Gefahr.

Und es wird darum gehen die Verkehrswende einzuleiten und den stadtgerechten Verkehr zu schaffen, um so zur Lebensqualität in Leipzig beizutragen. 

Zudem haben die empathielosen Proteste, jenseits einer Bildungsebene, gegen geflüchtete Menschen und Religionsgemeinschaften gezeigt, dass wir vom Klima der Weltoffenheit noch ein gutes Stück entfernt sind. Diese Probleme muss man offen ansprechen und Ideologien der Ungleichwertigkeit, wie sie auch in der Mitte der Gesellschaft wurzeln und etwa von Teilen der CDU in Leipzig immer wieder genährt werden, entschieden entgegentreten.  

4. Was sollte erreicht sein, damit Sie am Ende Ihrer Amtszeit von einem Erfolg sprechen können?

Veränderung des Modal Split mit der deutlichen Senkung des motorisierten Individualverkehrs. Der Prozess der schleichenden Entsozialisierung ist gestoppt und am wichtigsten, die Einwohner beteiligen sich an den Diskussionen und nehmen Kommunalpolitik als ihre eigene Aufgabe und Verantwortung wahr und gestalten die Stadt mit. 

5. Warum sollten wir wählen gehen?

In Abwandlung von Sheldon Cooper: Because they can. Wobei Wahlen nur eine Möglichkeit sind. Wer meint, dass er mit der Stimmabgabe seine Aufgabe in der Gesellschaft und Demokratie erfüllt hat, hat Demokratie nicht verstanden. Beklagen über Missstände kann jeder, handeln und gegen Missstände ankämpfen, ist die Aufgabe. Freie, gleiche und geheime Wahlen sind eine Grundlage in der Demokratie, wer diese negiert, sollte vielleicht noch einmal zum Geschichtsbuch greifen und nachdenken. Die Möglichkeit bewusst nicht wählen zu gehen gibt es auch. Aber wer Wahlen damit abtut, dass man ohnehin nichts verändern kann, hat meist den Versuch noch nicht unternommen. 

Nicht die Politiker gestalten Leipzig. Es sind die Menschen, die sich einbringen und engagieren. Und das sollten eigentlich alle sein.

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