„Ein Bürger ist nicht, wer bloß in der Gesellschaft lebt, ein Bürger ist, wer sie ändert.” Augusto Boal

Florian Tuczek (NEUES FORUM)

Florian Tuczek

Fünf Fragen an: Florian Tuczek

Florian Tuczek
Neues Forum
Wahlkreis 8
Listenplatz 1

Beruf: Diplom-Ingenieur Architekt
Jahrgang: 1959

1. Wenn Sie gewählt werden: Was wird Ihr erstes Vorhaben sein?

Wenn ich das alleine entscheiden sollte und erreichen könnte, würde ich mich als gelernter Architekt sofort in den Ausschuss Stadtentwicklung und Bau begeben. In diesem Bereich sehen zwar viele Leute wenig Probleme. Aber alle Probleme aus anderen Bereichen schlagen sich dort nieder, sie müssen benannt und, wo noch möglich, an die Verursacher zurückgegeben werden, z.B. bei falscher Standortwahl, sinnlosen Bauvorhaben, gesichtslosen großen Produktions- und Lagerhallen, unnötigen Straßenneu- und -ausbauten, Parkhäusern, etc.

Wohnungsnahes Arbeiten zur Vermeidung von Verkehr sollte das Ziel einer Stadtplanung werden, die, nicht nur aktiv, sondern auch gut ausgestattet, im Dialog mit den Bürgern vorab Ideen entwickeln kann, anstatt Großinvestoren "on demand" hektisch den roten Teppich auszurollen. Vorhandene monostrukturelle Nutzungen sollten wenigstens nachträglich besser gestaltet werden. 

Ich möchte einen Antrag initiieren, die Entwicklung neuer leerer oder leergeräumter großer Baugebiete zu stoppen, um statt dessen zunächst kleine und größere Nutzungslücken mit und ohne Bestandsbauten innerhalb vorhandener Gebiete aufzufüllen, wobei Spielmöglichkeiten freigehalten werden müssen. 

Darüber hinaus möchte ich durch Anwesenheit in Preisgerichten als Sachpreisrichter die Qualität der Ergebnisse von Architektenwettbewerben steigern. 

Was der Gestaltungsbeirat macht, ist weitgehend unbekannt. Dieser muss öffentlich werden. 

2. Warum sind Sie gern in der Politik?

"Gern" trifft die Sache nicht unbedingt. Ich sehe die Notwendigkeit, gegen Ungerechtigkeiten, vollendete Tatsachen und Gleichgültigkeit etwas zu tun. Das habe ich bisher nur außerhalb politischer Institutionen getan. 

3. Bei welchem Thema in Leipzig sehen Sie den größten Handlungsbedarf?

Gerecht verteilte, gerecht bezahlte und inhaltlich sinnvolle Arbeit in Leipzig selbst, denn irgendwie und irgendwo Jobs Jobs Jobs um jeden Preis sind keine gesunde Lösung. 

4. Was sollte erreicht sein, damit Sie am Ende Ihrer Amtszeit von einem Erfolg sprechen können? 

Erfolgsmeldungen sind sekundär. Ich hänge keine Latte auf. Zudem sehe ich  jedenfalls mich auch nicht als Amtsträger, sondern als Vertreter von Bürgerinteressen. 

5. Warum sollten wir wählen gehen?

Sie sollten die leider viel zu seltene Chance nutzen, ihre Lebensbedingungen mitzugestalten - in der Hoffnung, dass genug andere ähnlich denken und ebenfalls wählen gehen. 

Gerade geringe Handlungsspielräume auf kommunaler Ebene fordern stets dazu heraus, mehr Spielräume von Freistaat und Bund durch Gesetzesänderungen zu fordern, um nicht dauerhaft als Stadt am Fördertropf zu hängen oder sich einer übertriebenen Städtekonkurrenz ausgesetzt zu sehen, die Wachstum zum Selbstzweck macht. 

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